Nominierte 2016 5


Seit 2013 wird der „Musik-Gordi“ vom Musikforum des Deutschen Musikrates und der neuen musikzeitung verliehen. In diesem Jahr kann das Publikum abstimmen, wer von den drei Nominierten die unbegehrte Trophäe erhält. Nachfolgend die Nominierten: Sandra Scheeres (Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft in Berlin), Erik O. Schulz (Oberbürgermeister von Hagen) und Benjamin-Immanuel Hoff (Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei des Freistaates Thüringen).

Benjamin-Immanuel Hoff

Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff, Minister für Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten und Chef der Staatskanzlei des Freistaates Thüringen

Benjamin-Immanuel Hoff

Die Orchesterlandschaft in Thüringen steht für eine beispiellose Kulturelle Vielfalt und für die Bedeutung regionaler Kulturinfrastruktur. Nicht zuletzt Thüringen war das ausschlaggebende Argument, die Deutsche Orchester- und Theaterlandschaft das Gütesigel Immaterielles Kulturerbe der Deutschen UNESCO-Kommission zu verleihen. Mit der Nominierung von Hoff für den Gordi würde sich vor allem der zweite Teil des Gordi-Preises, nämlich die Aufforderung zum Handeln, den gordischen Knoten zu durchschlagen, verbinden.  Bei aller Anerkennung von Hoffs Kommunikationsfähigkeiten zu der geplanten Reform zeichnen sich nach bereits gravierenden finanziellen und strukturellen Einschnitten weitere Abbaupläne ab, die die Spielfähigkeit wie zum Beispiel bei der geplanten Fusion von Eisenach und Gotha auf 56 Stellen (66 wäre das Minimum) in Frage stellen.

 

 

Erik O. Schulz

Erik O. Schulz, Oberbürgermeister von Hagen

Erik O. Schulz

Der OB von Hagen plant ab 2018 weitere 1,5 Millionen im Theateretat einzusparen und dies mit einer neuen (ihm genehmen) Führungsmannschaft (Neuberufung von GMD und Intendant am Theater Hagen) durchzuziehen, was angesichts der Aufgabenfülle und der Verantwortung in der regionalen Kulturversorgung zu einer erheblichen Einschränkung führen würde. Der Kulturetat von Hagen soll insgesamt um 10 Prozent des jetzigen Etats, also um 2,25 Millionen Euro gekürzt werden.

 

 

Sandra Scheeres

Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft in Berlin: Sandra Scheeres.

Sandra Scheeres

Die Situation der kulturellen und insbesondere der musikalischen Bildung ist nach wie vor desaströs. Mit über 10.000 Schülerinnen und Schüler auf den Wartelisten der öffentlichen Musikschulen, die teilweise jahrelang warten müssen, sowie überproportional hoher Ausfall des Musikunterrichts insbesondere in der Grundschule ist sie eine „würdige“ Kandidatin für den Gordi.

 

Die Bekanntgabe des Preisträgers findet im Rahmen der Internationalen Musikmesse in Frankfurt am Main am Freitag, 08. April 2016 um 15:30 Uhr auf der Bühne des Gemeinschaftsstandes des Deutschen Musikrates und der neuen musikzeitung in Halle 8 statt.

 

 


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5 Gedanken zu “Nominierte 2016

  • Christoph Rösner

    Meinen herzlichen Dank an den Deutschen Musikrat und die neue musikzeitung für die Vergabe dieses Preises, der gerade uns Kulturschaffenden in den weniger relevanten Kulturstädten wie Hagen ein Werkzeug an die Hand gibt, gegen den geplanten Ausverkauf und die Zerstörung wichtiger Einrichtungen wie das Theater, die Musikschule und andere Kulturträger vorzugehen. Die Nominierung unseres Oberbürgermeisters Erik O. Schulz für den Musik-Gordi kann ein solches Werkzeug sein, das, so steht es zu hoffen, dabei helfen kann, dem Unterwerfungsmechanismus gegenüber einer weit entfernten Bezirksregierung etwas entgegenzusetzen. Es scheint in den Chefetagen der Stadt noch immer nicht die Erkenntnis Einzug gehalten haben, dass mit der Vernichtung oder der Reduktion von Kultur auch die Vernichtung der wenigen, letzten und werthaltigen Identifikationsmöglichkeiten mit einer Stadt mutwillig und sehenden Auges in Kauf genommen wird.
    Die Kulturschaffenden in Hagen werden weiter streiten und kämpfen und bedanken sich für diese Nominierung.

  • Michaele Sojka

    Es ist schon absurd:
    Ein Minister, der mehr als 600 Thüringer Orchestermusikern verspricht, ohne Sorge bis zum Renteneintritt garantiert spielen und Freude machen zu können und der damit weiterhin den höchsten Theateretat eines Flàchenstaates der Bundesrepublik (mehr als 65 Mio€ nur für Thüringer Theater !) verantwortet und der auch weiter aufstockt werden wird (!!!), soll mit diesem „Preis“ ausgezeichnet werden.
    Schleichende tatsächliche Kürzungen anderswo werden nicht entsprechend skandalisiert.
    Augen auf und mal nachdenken!
    Damit ist in meinen Augen der Preis wertlos geworden und blankes Politgaudium.
    Schade.

    Michaele Sojka,
    Landrätin des Altenburger Landes und (Mit)Trägerin des einzigen 5-Sparten-Hauses in Thüringen mit einem Etat von ca. 20 Mio€ im Jahr

    • Eckhard Kiesling

      Augen auf und nochmal lesen, bevor Sie diesen Schwachsinn veröffentlichen, Frau Landrätin!
      Lassen Sie sich beraten im Umgang mit der deutschen Sprache!

  • Sabine Berninger

    Dass Benjamin-Immanuel Hoff nominiert wurde, halte ich für, naja, grotesk. Es ist eher so, dass Prof. Dr. Hoff und die Thüringer Landesregierung selbst einen gordischen Knoten auflösen wollen, nämlich den, der Thüringer Theater- und Orchesterlandschaft eine mittel- und langfristige Perspektive zu geben. Dafür wurde die Situation analysiert und Lösungsvarianten vorgeschlagen (nachzulesen hier: https://www.thueringen.de/mam/th1/tsk/arbeitspapier_zur___perspektive_2025_.pdf), die seit Ende letzten Jahres mit den Verantwortlichen in den Kommunen, Theatern und Orchestern diskutiert werden. Die Thüringer Landesregierung will mit der „Perspektive 2025“ mehr Geld für Theater und Orchester in die Hand nehmen, nicht weniger. Ziel ist, die einzelnen Standorte bis 2015 finanziell so auszustatten, dass der kreative und künstlerische Bestand bis 2025 sicher ist. Diesen gordischen Knoten hat in Thüringen bisher noch keine Landesregierung, noch kein Kulturminister angefasst geschweige denn gelöst.
    Ich kann die anderen beiden Nominierungen nicht einschätzen (werde m ich deshalb auch nicht an der anscheinend mehrfach möglichen Abstimmung beteiligen, bloß um die anderen Nominierten „hochzutreiben“), halte die Nominierung Hoffs aber für nicht gerechtfertigt. Dass sie dazu führt, dass mir (und womöglich auch vielen anderen ThüringerInnen) dieser Preis erstmals bekannt wird, ist in meinen Augen kein akzeptabler Grund.

  • Sabine Berninger

    Thüringens Kulturminister Prof. Dr. Benjamin-Immanuel Hoff zu seiner Nominierung für den „Musik-Gordi 2016“:
    „Nicht übereinander reden, sondern gemeinsam in einen Dialog mit den Akteuren vor Ort einsteigen!“, hat sich inzwischen Minister Hoff zur Nominierung geäußert und den Chefredakteuren des Musikforums und der nmz einen Brief geschrieben und sie zum Dialog eingeladen (hier zu lesen: https://www.facebook.com/FreistaatThueringen/photos/a.431558063594249.1073741825.423363177747071/991661930917190/?type=3&theater).